Bergisches Städtedreieck in der Wirtschaftskrise – Quoten höher als NRW-Durchschnitt!

332 Unternehmensinsolvenzen, überdurchschnittliche Quoten und mehr als 3.000 bedrohte Jobs zeigen, dass die Wirtschaft im Bergischen Städtedreieck in eine Phase dauerhafter Belastung geraten ist, in der sich 2026 eher eine stabile Krisenlage als eine schnelle Erholung abzeichnet.

Ausgangslage in der Region

• In den elf von der Creditreform Solingen untersuchten Kommunen wurden 2025 insgesamt 332 Insolvenzverfahren gezählt, ein Plus von 5,7 Prozent gegenüber 2024.

• Hochgerechnet auf 10.000 wirtschaftsaktive Unternehmen ergibt sich für die Region eine Quote von 101 Insolvenzen, während Deutschland bei 74 und Nordrhein‑Westfalen im Schnitt bei 100 liegt.

• Besonders auffällig ist Leverkusen mit 120 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, gefolgt von Remscheid mit 112 und Solingen mit 107; Hückeswagen liegt mit 16 deutlich unter dem Durchschnitt.

Wer ist besonders betroffen?

• Laut Creditreform gelten vor allem Firmen mit 20 bis 50 Beschäftigten derzeit als insolvenzanfällig, während Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern eine ähnlich hohe Neigung zur Insolvenz zeigen wie der regionale Durchschnitt.

• Kleinere Betriebe und Einzelfirmen tauchen häufig gar nicht in den offiziellen Statistiken auf, sondern beenden ihre Tätigkeit als „stille Pleite“, etwa durch Abgabe der Vermögensauskunft.

• Etablierte Unternehmen mit einer Marktpräsenz von zehn Jahren und mehr weisen in der Analyse eine deutlich geringere Insolvenzneigung auf; besonders die Industrie gilt nach Einschätzung der Auskunftei als vergleichsweise substanzstark.

Branchen: Wo es kracht, wo es trägt

• Am stärksten unter Druck steht das Baugewerbe, das in der Region wie bundesweit überdurchschnittlich viele Firmenpleiten verzeichnet.

• Auch der Handel gilt als gefährdeter Sektor, belastet durch Kaufzurückhaltung, hohe Kosten und einen intensiven Wettbewerb mit Online‑Anbietern.

• Relativ stabil zeigen sich aktuell die Dienstleistungsbranchen, die laut Creditreform „die größte Stabilität“ aufweisen – allerdings nur so lange, wie Industrie, Bau und Handel genügend Aufträge vergeben.

Stille Pleiten und Folgeschäden

• Neben den 332 offiziellen Insolvenzen registrierte die Auskunftei in der Region 1.519 sogenannte stillen Pleiten, ein Anstieg um gut 13 Prozent im Vergleich zu 2024.

• Zusammengenommen verursachten die Unternehmensinsolvenzen in der Region einen geschätzten wirtschaftlichen Schaden von rund 250 Millionen Euro; bundesweit summieren sich die Forderungsausfälle auf deutlich über 50 Milliarden Euro.

• Nach der aktuellen Bilanz haben etwa 2.200 Beschäftigte in der Region ihren Arbeitsplatz verloren oder müssen ernsthaft darum bangen, zusätzlich sind rund 1.700 Stellen durch stille Pleiten bedroht.

Arbeitsplätze und Mittelstand im Fokus

• Die bergische Wirtschaft lebt vom Mittelstand; wenn mittelgroße Zulieferer oder Spezialbetriebe ausfallen, reißen sie ganze Wertschöpfungsketten mit und gefährden damit zahlreiche indirekt abhängige Arbeitsplätze.

• Die Creditreform weist darauf hin, dass Zahlungsausfälle durch insolvente Kunden bereits bei mehr als jedem dritten mittelständischen Unternehmen in der Region spürbar sind.

• Präsident Henner Pasch von der Bergischen IHK warnt seit Längerem vor einer Kettenreaktion: Gerät der Mittelstand dauerhaft unter Druck, leiden zuerst kleine Dienstleister, Logistiker und Handwerker, die wenig finanzielle Reserven haben.

Wie geht es 2026 weiter?

• Die Auskunftei erwartet für 2026 keinen klaren Aufschwung, sondern eher eine Seitwärtsbewegung: Die Zahl der Insolvenzen dürfte auf hohem Niveau verharren, während die Wirtschaft insgesamt stagniert.

• Positiv ist, dass die Region bislang von ganz großen Insolvenzen mit mehreren Tausend Beschäftigten verschont blieb; dennoch treffen einzelne Fälle – etwa in der Autozulieferbranche – die lokalen Arbeitsmärkte empfindlich

• Entscheidend für eine Trendwende werden eine Stabilisierung der Baukonjunktur, sinkende Finanzierungskosten und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen sein; solange diese Faktoren nicht greifen, bleibt das Bergische Städtedreieck in einer angespannten, aber nicht hoffnungslosen Lage.

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