Städte stehen mit der Deutschen Bahn über weitere Schutzmaßnahmen im Austausch
Die Städte Solingen und Remscheid reagieren auf die Sorgen rund um die Suizidprävention an der Müngstener Brücke und im angrenzenden Brückenpark. Anlass ist ein offener Brief des Betreibers von Kiosk und Minigolfanlage im Brückenpark, der sich an die Oberbürgermeister beider Städte sowie an die Deutsche Bahn richtet.
In dem offenen Brief wird die Frage aufgeworfen, ob die bislang bestehenden Schutzmaßnahmen an der Müngstener Brücke ausreichen, um Menschen in Krisensituationen sowie Besucherinnen und Besucher des Brückenparks bestmöglich zu schützen. Gleichzeitig wird gefordert, weitere bauliche, technische und ergänzende Präventionsmaßnahmen zu prüfen.
Die Städte Solingen und Remscheid erklären, dass sie die geschilderten Sorgen ernst nehmen und hierzu im Austausch mit der Deutschen Bahn stehen. Als Eigentümerin der Müngstener Brücke trägt die Deutsche Bahn die Hauptverantwortung für die Sicherheit auf dem Bauwerk.
„Jedes verlorene Menschenleben, jeder Todesfall an der Müngstener Brücke ist einer zu viel und eine unermessliche Tragödie für die Angehörigen und Betroffenen. Auch für Augenzeugen und Einsatzkräfte sind solche Situationen extrem belastend. Der Schutz von Menschenleben und die stetige, gemeinsame Verbesserung der Prävention vor Ort sind uns ein tiefes, persönliches Anliegen“, erklären der Solinger Oberbürgermeister Daniel Flemm und der Remscheider Oberbürgermeister Sven Wolf.
Beide Oberbürgermeister begrüßen ausdrücklich, dass die Deutsche Bahn angekündigt hat, die vorhandenen Schutzmaßnahmen weiterzuentwickeln und zusätzliche Vorkehrungen zu prüfen.
Technische Warnanlage seit Ende April in Betrieb
Bereits Ende April nahm die Deutsche Bahn an der Müngstener Brücke eine technische Warnanlage in Betrieb. Nach Angaben des Unternehmens arbeitet das System derzeit stabil und fehlerfrei.
Die Anlage erkennt Personen innerhalb des überwachten Bereichs und weist diese unmittelbar auf die bestehende Gefahr hin. Nach Angaben der Bahn erfolgt dabei eine deutliche Aufforderung, den Bereich wieder zu verlassen.
Darüber hinaus arbeitet die Deutsche Bahn eigenen Angaben zufolge an einer Erweiterung des Systems. Künftig soll die Warnanlage eine Meldung an den zuständigen Fahrdienstleiter in Remscheid übermitteln. Anschließend sollen auch die zuständigen Behörden informiert werden.
Dadurch soll es ermöglicht werden, das Gleis kurzfristig zu sperren und gleichzeitig Einsatzkräfte darüber zu informieren, dass sich eine Person im gesicherten Bereich befindet. Dieser zusätzliche Kommunikationsweg soll nach Angaben der Deutschen Bahn zeitnah in den bestehenden Prozess integriert werden. Die Erfahrungen mit dem System sollen anschließend ausgewertet werden.
Weitere Zaunanlage auf Solinger Seite geplant
Auf Remscheider Seite hat die Deutsche Bahn bereits eine zusätzliche Zaunanlage errichtet. Diese soll verhindern beziehungsweise erschweren, dass die technische Warnanlage umgangen werden kann.
Auch auf Solinger Seite ist eine entsprechende Sicherung vorgesehen. Nach Angaben der Bahn soll die Installation voraussichtlich im August erfolgen.
Eine zusätzliche Sicherung der Müngstener Brücke durch Netzkonstruktionen ist nach Angaben der Deutschen Bahn hingegen nicht möglich. Als Gründe nennt das Unternehmen insbesondere statische Anforderungen sowie die auftretenden Windlasten.
Die Städte Solingen und Remscheid wollen gemeinsam mit der Deutschen Bahn im Austausch bleiben und die bestehenden Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz von Menschen vor Ort weiter begleiten.
Hilfe in Krisensituationen
Wenn Sie selbst Suizidgedanken haben, sich in einer psychischen Krise befinden oder sich Sorgen um einen anderen Menschen machen, gibt es professionelle und vertrauliche Hilfsangebote.
Bei akuter Gefahr
- Rettungsdienst / Notruf: 112
- Polizei: 110
TelefonSeelsorge – rund um die Uhr, anonym und kostenfrei
- 0800 111 0 111
- 0800 111 0 222
- 116 123
- Online-Beratung und Chat: https://www.telefonseelsorge.de/
- Chat: https://online.telefonseelsorge.de/
Nummer gegen Kummer – für Kinder und Jugendliche
- 116 111
- Weitere Informationen und Online-Beratung: https://www.nummergegenkummer.de/
Elterntelefon – für Eltern und andere Bezugspersonen
- 0800 111 0 550
- Weitere Informationen: https://www.nummergegenkummer.de/
Ärztlicher Bereitschaftsdienst
- 116 117
- Hilfe bei dringenden gesundheitlichen Problemen außerhalb regulärer Sprechzeiten sowie Informationen zur psychotherapeutischen Versorgung:
https://www.116117.de/
Weitere Informationen und Anlaufstellen
- Bundesgesundheitsportal – Hilfe bei psychischen Krisen:
https://gesund.bund.de/psychische-gesundheit - Informationen zum Sozialpsychiatrischen Dienst:
https://gesund.bund.de/sozialpsychiatrischer-dienst
Bei unmittelbarer Selbst- oder Fremdgefährdung sollte unverzüglich der Notruf 112 verständigt oder die nächstgelegene psychiatrische Notaufnahme aufgesucht werden.