Das städtische Freibad Heide bleibt derzeit weiterhin geschlossen. Aktuell werden in allen drei Becken umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um mögliche Auswirkungen von Polychlorierten Biphenylen (PCB) zu bewerten. Die Schadstoffe wurden im Vorfeld geplanter Sanierungsarbeiten in älteren Lackschichten an Wänden und Beckenböden nachgewiesen. PCB gelten abhängig von ihrer Konzentration als gesundheitsschädlich.
Der Schutz der Badegäste hat für die Stadt oberste Priorität. Aus diesem Grund erfolgen sämtliche Probenahmen und Analysen mit größter Sorgfalt. Eine Entscheidung über eine mögliche Öffnung des Freibades wird voraussichtlich im Umfeld der Sitzung des Sportausschusses am 24. Juni getroffen. Im Anschluss sollen Politik und Öffentlichkeit umfassend über die Untersuchungsergebnisse sowie das weitere Vorgehen informiert werden.
Umfangreiche Untersuchungen in allen Becken
Für die Bewertung der Situation werden derzeit drei unterschiedliche Probenarten herangezogen.
Materialproben aus den vorhandenen Lackschichten dienen dazu, Umfang und Verteilung der PCB-Belastung festzustellen. Ergänzend sollen Wischproben Aufschluss darüber geben, ob und in welchem Umfang Schadstoffe durch Berührung der Oberflächen oder über fetthaltige Produkte wie Sonnencreme aufgenommen werden könnten.
Von besonderer Bedeutung sind zudem die Wasserproben. Sie sollen klären, ob PCB aus den belasteten Materialien in das Beckenwasser übergehen oder ausschließlich in den Lackschichten verbleiben. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, muss das Wasser zunächst über einen gewissen Zeitraum in den Becken verbleiben.
Erst die Gesamtauswertung aller Untersuchungsergebnisse ermöglicht eine fundierte Einschätzung möglicher Gesundheitsrisiken und bildet die Grundlage für weitere Entscheidungen. Die Becken des Freibads Heide – Planschbecken, Nichtschwimmerbecken und Schwimmerbecken – sind bereits vollständig beziehungsweise teilweise mit Wasser befüllt. Die Untersuchung des Schwimmerbeckens kann jedoch erst Mitte Juni erfolgen.
Eine Öffnung des Freibades kommt erst dann in Betracht, wenn eine gesundheitlich relevante Schadstoffübertragung ausgeschlossen und ein sicherer Badebetrieb gewährleistet werden kann.
Einordnung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen
PCB werden vom Menschen überwiegend über die Nahrung aufgenommen. Insbesondere fettreiche tierische Lebensmittel gelten als Hauptaufnahmequelle. Darüber hinaus kann eine Belastung über die Atemluft auftreten, vor allem in Innenräumen mit erhöhten PCB-Konzentrationen. Die Aufnahme über die Haut spielt im Alltag dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Vor diesem Hintergrund sollen die laufenden Untersuchungen klären, ob im Freibad Heide überhaupt ein relevantes Gesundheitsrisiko besteht und wie dieses gegebenenfalls zu bewerten ist. Sollte die Stadt gemeinsam mit Fachgutachtern zu dem Ergebnis kommen, dass eine mögliche Aufnahme über die Haut toxikologisch unbedenklich ist und zugleich keine kritischen Belastungen im Wasser vorliegen, könnte das Freibad zeitnah wieder für den Badebetrieb freigegeben werden.
Die noch offenen Fragestellungen sollen in den kommenden Wochen abschließend geklärt werden.
Hintergrund: Polychlorierte Biphenyle (PCB)
Polychlorierte Biphenyle (PCB) gehören zur Gruppe der langlebigen chlorierten Kohlenwasserstoffe. Aufgrund ihrer hohen Beständigkeit und ihrer gesundheitsschädlichen Eigenschaften zählen sie zu den bedeutendsten Umwelt- und Gebäudeschadstoffen.
In der Vergangenheit wurden PCB in großen Mengen hergestellt und unter anderem in der Bau-, Elektro- und Kunststoffindustrie eingesetzt. Heute sind Herstellung und Verwendung innerhalb der Europäischen Union verboten und weltweit durch die Stockholmer Konvention weitgehend eingeschränkt.
In Bestandsgebäuden finden sich PCB unter anderem in Fugendichtungsmassen, Beschichtungen, Farben und Lacken, insbesondere aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Auch die unteren Lackschichten der Becken im Freibad Heide stammen aus dieser Zeit. Im Verlauf der nahezu 100-jährigen Geschichte des Freibades wurden bei Renovierungsmaßnahmen wiederholt neue Beschichtungen auf die bestehenden Lackschichten aufgetragen.