Bei den 24h Nürburgring wird die Überwachung der über 25 Kilometer langen Nordschleife revolutioniert. Ab 2026 ist für alle Teilnehmer – vom GT3-Boliden bis zum seriennahen Produktionswagen – ein verpflichtendes Videotelematik-System auf Basis von „GPS-Auge“ vorgeschrieben. Damit erhält die Rennleitung erstmals die Möglichkeit, das Renngeschehen in Echtzeit aus der Cockpitperspektive zu verfolgen.
Live-Einblick in das Cockpit
Das app-basierte System erweitert die bisherige Überwachung, etwa von Code-60-Zonen, um eine entscheidende Komponente: den direkten Zugriff auf die Onboard-Kameras. „Wir können uns theoretisch auf jedes Fahrzeug live aufschalten“, erklärt Rennleiter Walter Hornung. Dies ermöglicht nicht nur eine Beurteilung aus Fahrersicht, sondern bietet den Verantwortlichen bei Zwischenfällen sofortige visuelle Klarheit über Gefahrenstellen im Sichtfeld nachfolgender Teilnehmer. Ein wesentlicher Vorteil ist zudem der Remote-Zugriff: Relevante Sequenzen können direkt im laufenden Rennbetrieb heruntergeladen werden, ohne dass ein physischer Zugriff auf das Fahrzeug in der Boxengasse erforderlich ist.

Objektivität durch automatisierte Auswertung
Neben der Sicherheit steht die sportliche Fairness im Fokus. Bei Unfällen oder strittigen Situationen stehen die Aufnahmen der Beteiligten sowie der nachfolgenden Fahrzeuge unmittelbar zur Verfügung. Besonders effizient: Das System verknüpft potenzielle Regelverstöße, wie das Missachten von Flaggensignalen, automatisch mit der entsprechenden Videosequenz. „Langes Warten auf Videomaterial gehört damit der Vergangenheit an“, so Hornung. Die Rennleitung kann nun unmittelbar beurteilen, ob ein Signal für den Fahrer erkennbar war.

Strenge Vorgaben für maximale Transparenz
Das Reglement schreibt die Positionierung der Kamera exakt vor: Sie muss das Sichtfeld des Fahrers präzise abbilden, ohne dessen Sicht einzuschränken. Die Teams sind für die funktionsgerechte Montage verantwortlich.
Diese lückenlose Dokumentation sorgt für eine neue Ebene der Objektivität. Während sie Fehlverhalten transparenter macht, dient sie gleichzeitig der Entlastung der Fahrer, da komplexe Situationen nun fundiert und aus der Perspektive der Akteure bewertet werden können. Das Ergebnis ist ein sauberer Rennablauf und eine signifikante Steigerung der sportlichen Integrität auf dem Nürburgring.